Distale Radiusfraktur

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Die distale Radiusfraktur

Eine distale Radiusfraktur ist der medizinische Fachbegriff für den klassischen Handgelenksbruch. Dabei handelt es sich um einen Bruch der Speiche, dem Knochen auf der Daumenseite des Unterarms, nahe am Handgelenk. Distal kommt aus der Anatomie und bedeutet von der Körpermitte entfernt liegend. Das Gegenteil davon wäre proximal. Diese Verletzung ist die häufigste Fraktur überhaupt und entsteht meist durch einen Sturz auf die Hand und Gelenkflächen – sei es im Alltag, beim Sport oder im Strassenverkehr. Typisch sind Schmerzen, eine Schwellung und oft auch eine sichtbare Fehlstellung des Handgelenks. Da das Handgelenk im Alltag ständig gebraucht wird, ist eine rasche Abklärung und Behandlung besonders wichtig, um die Beweglichkeit und Funktion der Hand wiederherzustellen.

Welche Einteilung und Klassifikation gibt es bei den distalen Radiusfrakturen?

Aufgrund der komplexen Anatomie und der unterschiedlichen Verletzungsmuster gibt es eine Vielzahl von Formen der Radiusfraktur. Die Klassifikationen dienen dazu, die Fraktur zu beschreiben und ihre Schwere einzuschätzen. Je nach Art der Fraktur wird die optimale Therapie (konservativ oder operativ) festgelegt.

Hier sind die wichtigsten Klassifikationen:

Diese Einteilungen sind oft nach dem Chirurgen benannt, der sie erstmals beschrieben hat, und beziehen sich meist auf den Unfallhergang und die resultierende Fehlstellung des distalen Fragments.

Colles-Fraktur (Extensionsfraktur): Die bei Weitem häufigste Form. Auslöser ist meist ein Sturz auf die ausgestreckte, nach oben gebogene Hand. Das distale Fragment des Radius ist nach dorsal (zum Handrücken) und radial verschoben. Dies führt zur klassischen „Fourchette-Stellung“ (Gabelstellung) des Handgelenks. Sie wird auch als fractura radii loco classico bezeichnet.

Smith-Fraktur (Flexionsfraktur): Entsteht seltener, meist durch einen Sturz auf die palmar flektierte Hand. Das distale Fragment ist nach palmar (zur Handfläche) verschoben. Sie wird auch als „umgekehrte Colles-Fraktur“ bezeichnet.

Barton-Fraktur: Eine intraartikuläre Fraktur (mit Gelenkbeteiligung), bei der ein Kantenfragment der Gelenkfläche mit dem Karpus disloziert.

Dorsale Barton-Fraktur: Abscherfraktur des dorsalen Gelenkrandes.

Reversed Barton-Fraktur (umgekehrte Barton-Fraktur): Abscherfraktur des palmaren Gelenkrandes.

Chauffeur-Fraktur (Hutchinson-Fraktur): Eine Fraktur des Processus styloideus radii (des Griffelfortsatzes der Speiche). Benannt nach den Verletzungen, die bei den ersten Automobilen durch das Zurückschlagen der Anlasskurbel verursacht wurden.

Metal wrist implant surgical X-ray image of a right hand.

Was ist die Ätiologie für die distale Radiusfraktur?

Die Ätiologie der distalen Radiusfraktur ist in den meisten Fällen traumatisch. Sie entsteht typischerweise durch einen Sturz, bei dem man versucht, sich mit den Händen abzustützen, wobei dann das Handgelenk gebrochen ist. Die genaue Art der Fraktur hängt von der Position der Hand und der Krafteinwirkung ab.

Häufigste Ursachen

  • Sturz auf die ausgestreckte Hand: Dies ist der Hauptmechanismus, der zu einer distalen Radiusfraktur führt. Man stürzt, streckt reflexartig die Arme aus und landet auf der Hand.
  • Dorsale Beugung (Extensionsfraktur): Wenn die Hand beim Aufprall nach hinten gebeugt ist (dorsale Flexion), entsteht die klassische Colles-Fraktur. Das ist die häufigste Form.
  • Sportverletzungen: Insbesondere bei Sportarten mit hohem Sturzrisiko, wie Skifahren, Snowboarden, Skateboarden oder Inlineskating.
  • Arbeitsunfälle: Stürze von Leitern, Gerüsten oder das Hantieren mit Maschinen.
  • Verkehrsunfälle: Stürze vom Fahrrad, Motorrad oder bei Autounfällen.

Risikofaktoren für distale Radiusfrakturen

Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko einer distalen Radiusfraktur erhöhen:

  • Osteoporose: Ein signifikanter Risikofaktor. Bei Osteoporose ist die Knochendichte reduziert, wodurch der Knochen porös und brüchig wird. Ein Sturz, der bei einem gesunden Menschen nur eine Prellung verursachen würde, kann bei einem Osteoporose-Patienten zu einer Fraktur führen. Arthrose wirkt als ein zusätzlicher Faktor, der die Anfälligkeit für einen Sturz und die daraus resultierende Fraktur verstärkt, indem sie die normale Funktion des Gelenks beeinträchtigt.
  • Alter: Das Risiko steigt mit dem Alter. Bei Kindern kommt es oft zu „Grünholzfrakturen“, bei älteren Menschen ist das Risiko aufgrund von Osteoporose erhöht.
  • Geschlecht: Frauen sind nach der Menopause aufgrund der hormonellen Veränderungen, die zu Osteoporose führen können, häufiger betroffen.
  • Mangelernährung: Eine unzureichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D kann die Knochenfestigkeit beeinträchtigen.

Welche Rolle spielt der Unfallhergang?

Der Unfallhergang spielt bei der distalen Radiusfraktur eine zentrale Rolle, da er Aufschluss über den Frakturtyp, die Verschiebung der Bruchfragmente und die damit verbundene Therapie gibt. Die genaue Position der Hand und die Richtung der Krafteinwirkung zum Zeitpunkt des Aufpralls bestimmen die Art der Verletzung.

Was tun bei einer Schwellung des Handgelenks?

Bei einer Schwellung und dem Verdacht auf einen Knochenbruch im Bereich des Handgelenks sollte man als Sofortmassnahme die PECH-Regel anwenden. Auch wenn die PECH-Regel eine gute Erstmassnahme ist, ist sie bei einer Fraktur niemals eine alleinige Behandlung. Nach der Anwendung der Regel sollten Sie anschliessend umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen für eine klinische Untersuchung, eine Röntgenuntersuchung und die Frakturversorgung.

Die Anwendung der PECH-Regel hilft, die anfängliche Schwellung und die Schmerzen zu minimieren, was die spätere Behandlung erleichtert.

  • P (Pause): Sofortige Ruhigstellung der Hand. Jede Bewegung kann die Knochenfragmente weiter verschieben und Nerven oder Gefäße verletzen.
  • E (Eis): Kühlung des Handgelenks reduziert Schwellungen der Weichteile und Schmerzen, indem sie die Blutgefäße verengt.
  • C (Compression): Ein leichter Verband stabilisiert das Handgelenk und begrenzt die Schwellung.
  • H (Hochlagern): Das Hochlagern über Herzhöhe fördert den Blutabfluss und reduziert ebenfalls die Schwellung.

Wie wird eine distale Radiusfraktur behandelt?

Die Behandlung einer distalen Radiusfraktur hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: der Stabilität der Fraktur und der Frage, ob das Gelenk betroffen (intraartikulär) oder nicht betroffen (extraartikulär) ist.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der konservativen (nicht-operativen) und der operativen (chirurgischen) Behandlung.

Konservative Behandlung ohne Operation

  • Geschlossene Reposition: Bei einer verschobenen (dislozierten) Fraktur muss diese zunächst manuell eingerichtet (reponiert) werden. Dies geschieht unter lokaler oder regionaler Betäubung.
  • Gipsruhigstellung: Nach der Reposition wird das Handgelenk für etwa 4 bis 6 Wochen in einem Gipsverband oder einer Schiene ruhiggestellt, um eine erneute Verschiebung zu verhindern und die Heilung zu ermöglichen.
  • Regelmässige Kontrolle: In den ersten Wochen sind engmaschige Röntgenkontrollen nötig, um sicherzustellen, dass die Knochenfragmente im Gips nicht erneut verrutschen (sekundäre Dislokation).
  • Handtherapie: Anschliessend Physiotherapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft.

Operative Therapie

Die operative Behandlung ist notwendig bei instabilen, stark verschobenen (dislozierten) und fast immer bei intraartikulären Frakturen (Gelenkfläche betreffenden) Frakturen. Ziel ist die präzise Wiederherstellung der Gelenkfläche und eine stabile Fixierung. Für die operative Versorgung wenden Sie sich am besten an Fachärzte der Orthopädie und Unfallchirurgie.

Gängige Operationsverfahren

  • Plattenosteosynthese / Schraubenosteosynthese: Hierbei wird über einen chirurgischen Zugang eine Metallplatte (meist eine winkelstabile Platte) auf die Knochenoberfläche (häufig an der palmaren Seite) angebracht. Die Platte wird mit Schrauben im Knochen verankert, um die Fragmente stabil zu fixieren. Dies ermöglicht eine frühfunktionelle Nachbehandlung.
  • Kirschner-Draht-Osteosynthese (K-Drähte): Feine Drähte werden durch die Haut und die Knochenfragmente hindurchgesteckt, um diese zu fixieren. Wird häufig bei einfachen, extraartikulären Frakturen oder zur zusätzlichen Stabilisierung in Kombination mit anderen Verfahren eingesetzt.
  • Anlage eines fixateur externe (äusserer Spanner): Metallstifte werden ausserhalb des Bruchbereichs in den Knochen (Speiche und Mittelhandknochen) eingebracht und mit einem äusseren Rahmen verbunden. Diese Methode hält die Knochen unter Längszug (Distraktion), um die ursprüngliche Länge des Radius wiederherzustellen und die Gelenkflächen indirekt einzurichten. Sie wird oft bei offenen oder stark trümmerförmigen Frakturen angewendet.

Was für eine Prognose hat man mit der Diagnose von distalen Radiusfrakturen?

Die Prognose bei distalen Radiusfrakturen ist in den meisten Fällen gut, aber sie hängt stark von verschiedenen Faktoren ab. Das Hauptziel der Behandlung ist es, eine gute Gelenkfunktion und Schmerzfreiheit wiederherzustellen und eine Deformität der Hand zu vermeiden.

Wichtige Faktoren für die Prognose

  • Frakturtyp: Eine einfache, extraartikuläre Fraktur (wie die meisten Colles-Frakturen) hat eine sehr gute Prognose. Intraartikuläre Frakturen, die die Gelenkfläche betreffen, können zu einer posttraumatischen Arthrose führen.
  • Stabilität: Stabile Frakturen, die nicht verschoben sind, heilen in der Regel gut, da die Knochenfragmente nicht neu repositioniert werden müssen.
  • Behandlung: Eine korrekte und zeitnahe Behandlung ist entscheidend. Ob konservativ mit einem Gips oder operativ mit Platten und Schrauben, eine präzise Wiederherstellung der ursprünglichen Anatomie ist der wichtigste Prognosefaktor.

Mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen

Auch bei einer erfolgreichen Behandlung können in einigen Fällen Komplikationen oder Langzeitfolgen auftreten:

  • Posttraumatische Arthrose: Das Risiko hierfür ist bei Frakturen, die das Gelenk betreffen, erhöht. Eine unebene Gelenkfläche kann zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen, der sich durch Schmerzen und Steifigkeit bemerkbar macht.
  • Fehlstellung (Malunion): Wenn die Fraktur in einer fehlerhaften Position verheilt, kann dies zu einer dauerhaften Bewegungseinschränkung des Handgelenks führen.
  • Nervenschäden: In seltenen Fällen können Nerven (insbesondere der Medianus-Nerv, der zum Karpaltunnelsyndrom führen kann) durch die Schwellung oder die Fraktur selbst geschädigt werden.
  • Sudeck-Syndrom (CRPS): Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation, die sich durch starke Schmerzen, Schwellungen und Überempfindlichkeit äussert.

Die meisten Patienten mit einer distalen Radiusfraktur erreichen nach einer angemessenen Heilungs- und Rehabilitationsphase eine vollständige oder nahezu vollständige Wiederherstellung der Funktion. Eine präzise Diagnose und eine auf den Frakturtyp abgestimmte Therapie sind der Schlüssel zu einer guten Prognose.

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Welche Begleitverletzungen sind bei einem Bruch des Handgelenks möglich?

Häufige Begleitverletzungen

  • Verletzungen des ulnaren Processus styloideus (Griffelfortsatz der Elle): Der Bruch des distalen Radius entsteht oft durch eine Stauchung und Abknickung. Dabei kann es vorkommen, dass auch der Griffelfortsatz der Elle (Processus styloideus ulnae) bricht. Dies ist die häufigste Begleitverletzung und tritt bei etwa 60% der distalen Radiusfrakturen auf.
  • Läsion des TFCC (Triangular Fibrocartilage Complex): Das TFCC ist eine komplexe Knorpel- und Bandstruktur zwischen Elle und Speiche. Es stabilisiert das Handgelenk. Durch die bei der Fraktur auftretenden Rotations- und Scherkräfte kann es zu einer Zerreissung oder einem Abriss des TFCC kommen. Eine TFCC-Verletzung kann zu chronischen Schmerzen auf der Ellenseite des Handgelenks und Instabilität führen.
  • Medianus-Nerv-Läsion (Karpaltunnelsyndrom): Der Medianus-Nerv verläuft durch den Karpaltunnel am Handgelenk. Eine starke Schwellung nach der Fraktur oder eine Verschiebung der Knochenfragmente kann den Nerv einengen und schädigen. Dies äussert sich in Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen in Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und der Hälfte des Ringfingers. In schweren Fällen kann eine sofortige operative Entlastung des Nervs notwendig sein.
  • Bänderrisse: Ein Sturz kann auch Bänder verletzen. Insbesondere die Bänder, die die Handwurzelknochen stabilisieren, können überdehnt oder gerissen werden. Ein Riss des skapholunären Bandes (zwischen Kahnbein und Mondbein) ist eine der häufigsten Begleitschäden.
  • Verletzungen der Handwurzelknochen (Karpalknochen): Selten, aber möglich, sind Begleitbrüche von Handwurzelknochen, insbesondere des Kahnbeins (Os scaphoideum) oder des Mondbeins (Os lunatum). Solche Frakturen sind oft schwierig auf dem Röntgenbild zu erkennen und erfordern eine genaue Untersuchung.
  • Andere Frakturen: In seltenen Fällen kann es durch die extreme Krafteinwirkung auch zu einem Abriss von Sehnen oder zu Frakturen im Ellenbogenbereich oder an der Schulter kommen.

Eine gründliche Diagnostik ist entscheidend, um Begleitverletzungen zu identifizieren. Der Arzt wird neben der körperlichen Untersuchung (Schwellung, Fehlstellung, Sensibilität der Finger) Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln anfertigen. Bei Verdacht auf Weichteilverletzungen wie Bänderrisse oder TFCC-Läsionen kann eine MRT (Magnetresonanztomographie) notwendig sein.

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